Nicht alles, was sich automatisieren lässt, solltest du auch automatisieren. Wer mit den falschen Prozessen anfängt, spart keine Zeit – er baut sich neue Baustellen. Hier ist die Reihenfolge, die sich in unseren Projekten und im eigenen Unternehmen bewährt hat.
Warum die Reihenfolge entscheidet
Automatisierung multipliziert, was schon da ist. Ein klarer Prozess wird automatisiert schneller und günstiger. Ein chaotischer Prozess wird automatisiert nur schneller chaotisch – und das Chaos fällt später auf, wenn es teurer ist.
Deshalb steht vor jedem Tool eine einfache Frage: Ist dieser Ablauf überhaupt klar genug, um ihn abzugeben? Wenn drei Leute im Team dieselbe Aufgabe auf drei verschiedene Arten erledigen, ist das kein Fall für KI. Es ist ein Fall für einen gemeinsamen Standard. Erst danach lohnt sich das Tool.
Die 3-Fragen-Matrix
Bewerte jeden Kandidaten mit drei Fragen:
- Wie oft passiert es? Täglich schlägt wöchentlich, wöchentlich schlägt monatlich. Eine Aufgabe, die jeden Tag zehn Minuten kostet, frisst im Jahr mehr Zeit als ein Projekt, das zweimal im Jahr zwei Tage dauert.
- Wie klar sind die Regeln? Je weniger Bauchgefühl, desto besser. Wenn du die Aufgabe einer neuen Kollegin in fünf Sätzen erklären kannst, kannst du sie meistens auch einem Tool erklären.
- Was kostet ein Fehler? Fang dort an, wo Fehler billig sind. Ein falsch sortierter Beleg ist ärgerlich. Ein falsches Angebot an einen Kunden ist teuer.
Je öfter, je klarer und je harmloser im Fehlerfall, desto weiter oben steht der Prozess auf deiner Liste.
Welchen Prozess hat new media labs zuerst automatisiert, wie lief er vorher, was hat sich verändert? 3–4 Sätze, gern mit einer Zahl.
Typische Kandidaten für den Start
In fast jedem Unternehmen erfüllen diese Aufgaben alle drei Kriterien:
- Angebote schreiben: Vorlagen, Preise und Textbausteine sind meist vorhanden, sie liegen nur verstreut. Ein Assistent mit sauberer Vorlage holt hier oft am meisten Zeit heraus.
- Wiederkehrendes Reporting: Zahlen aus mehreren Quellen zusammenkopieren ist klassische Fleißarbeit. Die Interpretation bleibt bei dir, das Zusammentragen nicht.
- E-Mail-Postfach: Anfragen sortieren, an die richtige Person weiterleiten und Standardfragen vorbeantworten.
- Belege & Rechnungen: Abtippen und Ablegen ist genau die Aufgabe, für die Dokumenten-Tools gemacht sind.
- Kunden-Onboarding: Willkommensmail, Zugänge, erste Termine – immer gleich, immer wichtig, immer vergessen.
Kreative Strategiearbeit gehört dagegen fast nie auf diese Liste. Dort hilft KI als Sparringspartner, nicht als Autopilot.
„Automatisierung multipliziert, was schon da ist. Auch das Chaos.“
Was du getrost lassen kannst
Alles, was selten passiert, viel Abstimmung braucht oder bei dem ein Fehler einen Kunden kostet. Hier ist ein Mensch mit gutem Prozess schneller als jede KI. Auch Aufgaben, bei denen der Kontakt selbst der Wert ist – das Telefonat mit einem langjährigen Kunden zum Beispiel –, solltest du nicht wegautomatisieren, nur weil es technisch geht.
So gehst du vor
- Schreib eine Woche lang auf, wofür du und dein Team Zeit verlieren. Ohne zu bewerten.
- Bewerte jeden Punkt mit der 3-Fragen-Matrix.
- Nimm den Kandidaten mit der besten Bewertung und mach ihn erst einmal zum Standard – noch ohne Tool.
- Teste dann eine Lösung für genau diesen einen Prozess, zwei bis vier Wochen lang.
- Erst wenn das läuft, kommt der nächste Prozess dran.
Klingt langsam, ist aber der schnellste Weg. Wer fünf Automatisierungen gleichzeitig startet, hat am Ende meist fünf halbe.

